Wechsel in der privaten Krankenversicherung

     

    Da mit dem Begriff „Wechsel“ sowohl ein Tarif- als auch ein Anbieterwechsel gemeint sein kann, werden im Folgenden sowohl der Tarifwechsel als auch der Anbieterwechsel behandelt.


    Wann rentiert sich ein Wechsel in der privaten Krankenversicherung?

    Wechsel in der privaten Krankenversicherung - Lächelnde ältere Frau Neben der Minimierung der Versicherungsprämie können folgende Erwägungen bei einem Tarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung eine Rolle spielen:

    •  Eine häufige Einsparung des derzeitigen Beitrags bis zu 50 Prozent
    • Wechselmöglichkeit in einen anderen Tarif innerhalb des Anbieters ohne eine erneute Gesundheitsprüfung
    • Das Alter spielt bei einer solchen Änderung keine Rolle, denn bei erhöhtem Alter ist oft das Einsparungspotenzial besonders hoch
    • Gleichwertiger, manchmal sogar besserer Leistungsumfang bei gleichzeitiger Beitragsreduzierung
    • Kündigung des bisherigen Vertrages ist nicht nötig, da in einem solchen Fall keine Kündigungsfristen vorhanden sind
    • Erhalt der Altersrückstellungen in vollem Umfang bei einem Tarif mit gleichem Leistungsportfolio

    Viele Gesellschaften auf dem Gebiet der privaten Krankenversicherung (PKV) bieten Tarife mit vergleichbaren Leistungen an, die häufig merklich weniger kosten, als dies im bisher gewählten Tarif der Fall ist.


    Welche Vorteile bietet die Änderung?

    Der Versicherungsnehmer kann im Einzelnen folgende Verbesserungen nutzen:

    • Die monatliche Ersparnis von bis zu 50 Prozent
    • Keine erneute Gesundheitsprüfung
    • Der Wechsel kann unabhängig von Krankheiten vollzogen werden
    • Vollumfänglicher Erhalt der Altersrückstellungen
    • Der Wechsel ist vom Alter unabhängig
    • Gleiche oder sogar bessere Leistungen
    • Keine Kündigung nötig
    • Der Wechsel ist völlig kostenlos

    Jeder Versicherungsnehmer in der PKV hat die Möglichkeit, kostenlos und zu jeder Zeit den alternativen und häufig günstigeren Tarifwechsel vorzunehmen. Die Mitglieder werden hierbei vom Gesetzgeber unterstützt, der in § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) diese Gelegenheit festgelegt hat. Das ist jedoch den meisten Versicherten nicht bekannt, da sie die Gesellschaften darüber oft nicht informieren. Sollte also die finanzielle Belastung der Versicherungsprämie drückend werden, ist der Tarifwechsel eine gute Option. Vor allem auch für ältere, langjährig Versicherte ist eine solche Änderung häufig zu empfehlen, da die alte tarifliche Ausgestaltung im Vergleich mit neueren Tarifwerken nicht immer optimal ist. Der Grund, warum aktuelle Tarife häufig preiswerter sind als schon lange bestehende, ist die Neukundenwerbung der Gesellschaften.

    Überdies ist es sinnvoll, in kontinuierlichen Abständen zu prüfen, ob der vorhandene Tarif noch dem aktuellen medizinischen Schutzbedürfnis entspricht, oder ob die Wahl einer Alternative nicht geeigneter wäre. Da der Gesetzgeber in § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes keine zeitliche Begrenzung für einen Tarifwechsel vorsieht, ist es im eigenen Interesse geboten, den Versicherungsschutz immer auf dem neuesten Stand zu halten.


    Ist ein Wechsel in der privaten Krankenversicherung für Menschen unter 55 Jahren sinnvoll?

    Für alle Versicherten in der PKV ist der § 204 VVG maßgeblich. Daher kann es auch für diesen Personenkreis nützlich sein, einen Tarifvergleich anzustellen, um gegebenenfalls eine Kostenreduktion vorzunehmen. Denn ein Einsparpotenzial ist hier ebenfalls möglich. Zwar sind die Ersparnisse in der Regel bei älteren Versicherten besonders groß, dennoch können auch bei Menschen unter 55 Jahren monatliche Einsparungen in nicht so großer Höhe wichtig sein. Der große Vorteil einer solchen Änderung liegt auch darin, dass keine erneute Gesundheitsprüfung vorgenommen wird.

    Gängige Praxis vieler Gesellschaften ist es, ihren Kunden die medizinische Versorgung im Basistarif zu empfehlen, sollten sie von ihrem Tarifwechsel-Recht Gebrauch machen wollen. Dies ist aber nur selten die geeignete Wahl, da eine Tarifoptimierung hinsichtlich der medizinischen Leistungen sowie der Kostenminimierung meist vielversprechender ist. Auch sollte sich der Wechselwillige nicht von fadenscheinigen Behauptungen der Versicherungsunternehmen beirren lassen, die angeblich gegen einen solchen Wunsch sprechen.


    Ist ein Wechsel in der privaten Krankenversicherung für Menschen über 55 Jahre sinnvoll?

    Da gerade für ältere Versicherungsnehmer die Einsparungen bei gleichen oder sogar besseren Leistungen
    bei einem Tarifwechsel besonders hoch sein können, ist ein solches Vorgehen in der Regel sehr lohnend. Denn je länger der Verbleib in einem Tarif war und je mehr Beiträge aktuell gezahlt werden, desto mehr Vorteile kann der Versicherte aus einem Wechsel für sich realisieren. Neben signifikanten Einsparungen profitieren ältere Menschen auch von der Tatsache, dass keine erneute Gesundheitsprüfung erfolgt.

    Wechsel in der privaten Krankenversicherung- Glückliches Pärchen bei der Beratung

    Ist ein Wechsel in der privaten Krankenversicherung für Rentner sinnvoll?

    Eine Änderung des Tarifs ist im Rentenalter oft äußerst ratsam, da meist zu hohe Beiträge bezahlt werden. Experten gehen davon aus, dass Versicherte, die sich bereits für einen solchen Wechsel entschieden haben, durchschnittlich 2.000 bis 2.500 Euro im Jahr einsparen. Beitragserhöhungen innerhalb der privaten Krankenversicherung sind oft gerade für Rentner mit großen finanziellen Problemen verbunden, da die meisten Menschen im Alter über weniger Geld verfügen, als während der Zeit ihrer beruflichen Tätigkeit. Bei einer Tarifoptimierung profitieren gerade Senioren von:

    • Dem Wegfall einer erneuten Gesundheitsprüfung
    • Mitnahme der Altersrückstellungen in voller Höhe
    • Meist gewohntem, wenn nicht sogar besserem Leistungsumfang

    Wann kann von der Gesellschaft innerhalb der PKV dennoch eine Gesundheitsprüfung verlangt werden?

    Sehr häufig herrscht die Meinung vor, dass bei einem Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung eine erneute Gesundheitsprüfung obligatorisch sei. Diese Ansicht ist jedoch nur bedingt richtig. Der Wechsel in einen Tarif mit dem gleichen Leistungsumfang wie im ehemaligen ist absolut problemlos möglich, ohne dass eine abermalige Prüfung des gesundheitlichen Zustandes erfolgt. Wählt der Versicherungsnehmer aber einen preisgünstigeren Tarif, der eine größere Leistungsbandbreite enthält, dann darf die Gesellschaft, ausschließlich für diese zusätzlichen Leistungen, eine neuerliche Gesundheitsprüfung verlangen oder einen Risikozuschlag erheben. Möchte sich der Versicherungsnehmer einer solchen Prüfung nicht unterziehen, so kann er zum Beispiel auf Mehrleistungen verzichten. In diesem Fall bleibt dann das alte Leistungsportfolio, jedoch zu günstigeren preislichen Bedingungen, bestehen.

    Bei der Wahl höherer Leistungen kann die Gesellschaft

    • Einen Risikozuschlag auferlegen
    • Eine Wartezeit hinsichtlich der Inanspruchnahme der Mehrleistungen bestimmen
    • Höhere Leistungen im speziellen Fall ausschließen

    Der Versicherungsnehmer wiederum hat die Möglichkeit

    • der Gesundheitsprüfung zuzustimmen
    • Mehrleistungen auszuschließen, um auf Risikozuschläge oder Wartezeiten verzichten zu können

    Ist ein Anbieterwechsel in der PKV sinnvoll?

    Abgesehen davon, dass bei einem solchen Wechsel auf jeden Fall eine erneute Gesundheitsprüfung vorgenommen wird, ist auch der Punkt der „Altersrückstellung“ zu beachten. Denn die Beiträge, die der Versicherte in der privaten Krankenversicherung bezahlt, enthalten einen „Sparanteil“, mit dem auch die Altersrückstellungen gebildet werden, um steigende Kosten im Alter zu kompensieren und ein sprunghaftes Ansteigen der Versicherungsprämien vermeiden zu können. Daher zahlen junge Versicherte generell einen höheren Beitrag, als dies hinsichtlich des gesundheitlichen Risikos nötig wäre.

    Bei einem Wechsel der Gesellschaft profitiert das frühere Unternehmen von den gebildeten Altersrückstellungen des Versicherten, die nur mit Einschränkungen zu dem neuen Anbieter mitgenommen werden dürfen. Seit dem 1. Januar 2009 gilt, dass neue PKV-Mitglieder, die ab diesem Zeitpunkt eine Krankenversicherung abgeschlossen haben, in den Voll-oder Basistarif eines anderen Unternehmens, unter Mitnahme ihrer bisherigen Altersrückstellungen, wechseln können. Diese Regelung betrifft jedoch ausschließlich den Basistarif. Eine vollumfängliche Mitnahme ist augenblicklich nicht möglich.

    Aus diesen Gründen ist es oft nicht vorteilhaft, einen Anbieterwechsel zu vollziehen. Vor allem dann, wenn der Versicherungsnehmer schon lange bei einer Gesellschaft versichert ist, bietet sich eher ein Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens an, um die angesparten Altersrückstellungen nicht zu gefährden. Weil auch Neukunden seit 2009 finanzielle Einbußen bei einem Wechsel des Anbieters befürchten müssen, ist es für diesen Personenkreis ebenso sinnvoll, nach günstigeren tariflichen Alternativen innerhalb der bisherigen Versicherungsgesellschaft Ausschau zu halten.


    Welche Kündigungsfristen sind bei einem Anbieterwechsel in der PKV zu beachten?

    Wechsel in der privaten Krankenversicherung - Kalender mit einer Brille und einem Stift Zum Ablauf des Kalender-oder Versicherungsjahres,
    in Abhängigkeit des Versicherungsbeginns, kann der Versicherte mit einer Frist von drei Monaten kündigen.

    Oft jedoch müssen Mindestlaufzeiten von drei Jahren eingehalten werden. Bei den meisten Versicherern
    ist das Versicherungsjahr gleichbedeutend mit dem Kalenderjahr. Das heißt, dass die Verträge am 31.12. enden. Der Stichtag für eine Kündigung ist in diesem Fall der 30.09. Wenn das Versicherungsjahr bei
    einer Gesellschaft unterjährig endet, ist das jährliche Vertragsende ein Tag vor Aufnahme des Vertrages im Vorjahr.
    Soweit das Procedere innerhalb der ordentlichen Kündigung.

    Der Versicherte hat aber auch noch ein außerordentliches Kündigungsrecht und zwar unter anderen immer dann, wenn das Versicherungsunternehmen eine Beitragserhöhung ausspricht oder eine Leistungsänderung vornimmt. Bei einem solchen Sachverhalt kann das Mitglied innerhalb von zwei Monaten nach Bekanntwerden der Änderung von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Maßgeblich ist hier der Zeitpunkt der Mitteilungszustellung bezüglich der Beitrags- beziehungsweise der Leistungsänderung, wobei die Kündigung mit dem Zeitpunkt der Anpassung wirksam wird. Der Versicherte muss mit dem neuen Anbieter einen Vertrag schließen, da er innerhalb von zwei Monaten nach der erfolgten Kündigung den Abschluss eines neuen Versicherungsvertrages nachweisen muss, damit die Kündigung auch wirksam wird.


    Der Wechsel in der privaten Krankenversicherung

    Besonders für Rentner sowie die Generation 50+ ist eine tarifliche Änderung zu empfehlen, um steigenden Versicherungsbeiträgen wirksam zu begegnen. Mit der Unterstützung des Gesetzgebers, der das Tarifwechselrecht der Versicherten in § 204 des VVG festgeschrieben hat, kann jeder Privatversicherte von diesem Recht- so oft er dies möchte- Gebrauch machen und ohne wiederholte Gesundheitsprüfung unter Mitnahme seiner bereits gebildeten Altersrückstellungen in einen anderen Tarif innerhalb seiner Gesellschaft, frei von Leistungsschmälerungen, wechseln. Das ist vor allem für Senioren besonders wichtig, da sie mit keinen Qualitätsminderungen hinsichtlich ihrer medizinischen Versorgung rechnen müssen.
    Die Nutzung der Regelung des § 204 VVG begrüßen die meisten Versicherungsgesellschaften überhaupt nicht. Denn die aktuellen, häufig preislich günstigeren Tarifgestaltungen sollen helfen, junge und gesunde Neukunden zu werben. Daher ist es klug, sich von oft falschen Behauptungen der Gesellschaft nicht irritieren oder sich durch unrichtige telefonische Auskünfte nicht abschrecken zu lassen. Der Gesetzgeber hat das Recht zum Wechsel eindeutig festgeschrieben und sich damit ausdrücklich auf die Seite der Versicherten gestellt!